Hör mal rein – vielleicht ist es heute genau das Richtige für dich!
Der Selbstständige mit den Abgaben
Es war schon dunkel, die Tankstelle roch nach Kaffee und Diesel. Moni wollte gerade abschließen, da fuhr ein alter Kombi vor.
Ein Mann stieg aus, gepflegt, aber mit müden Schultern.
„Noch offen?“, fragte er.
„Für dich immer“, sagte Moni. „Was darf’s sein?“
„’Ne’n doppelten Kaffee. Und vielleicht… ’n bisschen Verständnis.“
Sie lachte leise. „Das zapfen wir hier täglich.“
Er setzte sich auf den Hocker, legte einen zerknitterten Steuerbescheid auf den Tresen.
„Weißt du, ich hab alles richtig gemacht. Rechnungen geschrieben, gearbeitet, nie schwarz, immer brav gemeldet.
Und jetzt? Jetzt sagt das Finanzamt, ich soll nachzahlen.
- Ich hab aber nichts, was man nachzahlen könnte.
- Ich leb’ von Auftrag zu Auftrag, Moni.
- Ich hab kein Gehalt, ich hab nur Hoffnung.“
Moni nickte. „Du bist selbstständig – also selbst und ständig.“
Er lachte bitter. „Eher selbst und ständig im Minus.“
Enttäuscht rieb er sich die Stirn. „Die reden immer von Unternehmertum, von Mut, von Eigenverantwortung.
Aber wenn du mal nicht kannst, fragt keiner, wovon du lebst.
Hauptsache, die Abgaben stimmen. Ich zahl alles, was ich soll – aber keiner zahlt mir mal einen Tag Ruhe.“
Moni legte den Kopf schief, sah ihn an, wie sie das immer tat, wenn sie jemanden wirklich verstand.
„Weißt du“, sagte sie, „du bist das Rückgrat dieses Landes.
Aber sie behandeln dich, als wärst du eine Fehlermeldung im System.“
Dann nahm sie ihren roten Stift und schrieb auf einen Becher:
„Ich bin kein Betrieb – ich bin ein Mensch.“
Sie reichte ihm den Kaffee.
„Das ist dein neuer Slogan. Schreib ihn auf deine Steuer, auf deine Seele, auf deinen Kühlschrank.
Und morgen schickst du ihn mit jeder Rechnung mit – still und heimlich.“
Er lächelte das erste Mal an diesem Abend.
„Du solltest ein Ministerium gründen, Moni.“
„Hab ich schon“, grinste sie.
„Heißt MotivationsTankstelle. Hier gilt noch Menschentarif.“
Täglich kommen sie wieder, wann kommst du ..?


